Verkehr

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Anreize statt Verbote

In Konstanz sind Flächen knapp. Das hat auch Auswirkungen auf den Verkehr. Der Autoverkehr beansprucht im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmitteln besonders viel Platz für sich. Deshalb spricht neben dem Klimaschutz auch der begrenzte Raum dafür, den Autoverkehr zu reduzieren.

Datenschutz gilt auch im Verkehr

Ich glaube nur nicht daran, dass Verbote dazu das richtige Mittel sind. Die Forderung, nur noch Anwohnerinnen und Anwohner mit dem Auto in die Altstadt zu lassen, mag zwar populär sein. Die Umsetzung erscheint mir aber wenig praktikabel. Die technisch einzig derzeit praktikable Lösung dafür wäre die Errichtung eines Überwachungssystems, welches sämtliche Kennzeichen an verschiedenen Zufahrtswegen erfassen würde. Das hätte nicht nur eine gigantische Datenansammlung zur Folge. Ein solches System könnte auch detaillierte Bewegungsprofile vieler Menschen in unserer Stadt erstellen. Für mich ist das eine echte Horrorvorstellung.

Das Fahrrad ist das umweltfreundlichste aller Verkehrsmittel

Die Stadt sollte vielmehr Anreize schaffen, um auf Fahrrad oder Busse umzusteigen. Der Radverkehr hat in Konstanz in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Nur die Infrastruktur ist kaum mitgewachsen. Noch immer enden Radwege im Nichts, noch immer sind viele Radwege so schmal, dass sie beispielsweise mit Lastenrädern oder Kinderanhängern kaum zu befahren sind. Die Fahrradbrücke wurde 1991 erbaut. Zu den Stoßzeiten gerät sie an ihre Kapazitätsgrenzen – kein Wunder, sie ist bis heute für den Radverkehr die einzig wirklich praktische Verbindung über den Seerhein. Zur Entlastung der Fahrradbrücke braucht es mindestens eine weitere einfache Querungsmöglichkeit – wie zum Beispiel eine Fahrradbrücke zwischen Sternenplatz und Konzilstraße.

Die Einrichtung des Lastenradsystems TINK hat dabei geholfen viele innerstädtische Autofahrten zu vermeiden. Bedauerlicherweise funktioniert das Mietsystem derzeit äußerst schlecht und die Verleihstationen sind bislang auf die Kernstadt begrenzt. Ich setze mich dafür ein, dass das Mietsystem verbessert und die Verleihstationen auf die ganze Stadt ausgeweitet werden.

Der Wasserbus – lange überfällig

Ich bin froh, dass mit der Einrichtung eines Testbetriebes für den Wasserbus eine jahrelange Forderung der SPD in greifbare Nähe rückt. Vor rund 10 Jahren wurde SPD-Altstadtrat Frieder Schindele für diese Forderung noch von allen anderen politischen Mitbewerbern ausgelacht. Heute behaupten alle schon immer dafür gewesen zu sein.

Zur Entlastung der Straßen muss der Wasserbus dauerhaft mit kurzer Taktung und mit mindestens zwei Haltestellen am Seerhein eingerichtet werden. Derzeit sucht die Stadt nach einer Möglichkeit, den Wasserbus mit erneuerbaren Energien anzutreiben.

Der rote Arnold

Das Konstanzer Bussystem ist gut. Es gibt kaum vergleichbare Städte mit einem derart breiten Angebot. Die Verlagerung der Linie 6 durch die Stadtwerke zeigt aber, dass dieses Angebot nicht selbstverständlich ist. Nur wenn alle Quartiere gut an das Bussystem angebunden sind, werden noch mehr Menschen bereit sein, das Auto stehen zu lassen und stattdessen mit dem Bus zu fahren. Die Umrüstung der Busflotte auf den Elektroantrieb kostet eine Menge Geld. Deshalb sind die Stadtwerke bei der Umrüstung auf Fördermittel von Bund und Land angewiesen. Bisher kam Konstanz bei der Vergabe nicht zum Zug – vor allem, weil die Luftqualität in anderen deutschen Städten wesentlich schlechter ist. Deshalb plädiere ich dafür, dass sich die Stadt Konstanz für den Testbetrieb von Wasserstoff-Bussen bewirbt, um die Forschung zu dieser umweltfreundlichen Technologie voranzutreiben und um Fördermittel einzuwerben.

Kostenloser ÖPNV?

Die Forderung nach kostenlosen öffentlichen Verkehrsmittel wird immer populärer. Besonders im Wahlkampf lässt sich damit gut punkten. Ich bin aber davon überzeugt, dass man das, was im Wahlkampf verspricht, auch in der täglichen politischen Praxis auch halten muss. Der kostenlose öffentliche Nahverkehr würde die Stadt Konstanz zwischen 15 und 20 Millionen Euro jährlich kosten. Das sind Beträge, die ich nicht für finanzierbar halte – zumindest nicht, wenn die Stadt gleichzeitig auch mehr Geld für den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, höhere Taktfrequenzen (insbesondere auf den Linien in die Teilorte und bei den Nachtbuslinien), die Schulen, die Kinderbetreuung, mehr Wohnungen in städtischem Eigentum und in die Digitalisierung unserer Stadt investieren soll. Der Nutzungsgrad der Konstanzer Busse ist mit 155 Fahrgästen pro Einwohner und Jahr schon vergleichsweise hoch.

Gleichzeitig halte ich das derzeitige Tarifsystem an einigen Stellen für überteuert. Ich bin der Auffassung, dass die Nutzung unserer Busse für diejenigen besonders günstig sein muss, die sie besonders häufig nutzen. Das aktuelle Jahresticket kostet 485 Euro. Das halte ich für viel zu hoch. Ich könnte mir sehr gut ein 365-Euro-Jahresticket vorstellen. Einen Euro pro Tag halte ich für einen angemessenen Jahrestarif. Die Stadtwerke werden in den nächsten Monaten einen Kurzstrecken-Tarif einführen. Besonders wichtig ist, dass das Kurzstrecken-Ticket – nicht wie ursprünglich geplant – auch ohne Smartphone gekauft werden kann.

Die Ticketpreise für Schülerinnen und Schüler halte ich für zu hoch. Um den Schülerinnen und Schülern ähnliche Vergünstigungen wie den Studierenden zu ermöglichen, schlage ich die Gründung eines Vereines vor. Sinn und Zweck des Vereines wäre dann die Verhandlung mit den Stadtwerken und die Sicherstellung eines Sockelbeitrages durch Mitgliedsbeiträge. So könnte ein System der Tarif-Vergünstigung analog zum Studi-Ticket geschaffen werden.

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