Warum wir den Klimanotstand ausrufen

So bitter das für meine Generation auch ist, aber eines ist sicher: die aktuelle Generation der Schülerinnen und Schüler hat bereits heute mehr erreicht als wir Kinder der späten 80er und frühen 90er Jahrgänge.

Es sind nicht die (vom Aufwand her) großen UN-Gipfel, die den Fokus auf den rasant fortschreitenden Klimawandel legen, sondern es sind die Schülerinnen und Schüler, die freitags auf die Straße gehen. Und zwar mit einer Beharrlichkeit, die so sicher niemand erwartet hätte.

Besonders beeindruckt hat mich in den letzten Wochen mit welchem Aufwand sich die Vertreterinnen und Vertreter von Fridays For Future in Konstanz in komplexe Analysen und Studien, die teilweise Jahre alt sind, eingelesen haben.

Die Einhaltung der Pariser Klimaziele ist massiv gefährdet. Und auch in Konstanz hat sich der CO2-Ausstoß – anders als von der Stadtverwaltung dargestellt – in den letzten Jahren kaum reduziert.

Deshalb reicht es nicht, den Schülerinnen und Schülern auf die Schulter zu klopfen und dann wieder zum Tagesgeschäft überzugehen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich die Verwaltungsspitze in ihrer Sitzungsvorlage zum Tagesordnungspunkt 4 „Ausrufung des Klimanotstandes“ der heutigen Gemeinderatssitzung einerseits mit Maßnahmen brüstet, die einst gegen ihren Willen im Gemeinderat durchgeboxt werden mussten (wie die Schaffung der Stelle des Klimamanagers) und andererseits Maßnahmen ankündigt, die längst umgesetzt sein könnten (wie die Schaffung weiterer Stellen für das Mobilitätsmanagement in Konstanz), wenn sie im Winter einem entsprechenden SPD-Antrag gefolgt wäre.

Die Ausrufung des Klimanotstandes schafft also nicht nur ein Bewusstsein nach außen, dass es in Sachen Klimaschutz kein „Weiter so“ geben darf. Die Ausrufung des Klimanotstandes hilft im besten Fall auch dabei, das Bewusstsein für dringend notwendige Maßnahmen nach innen zu schärfen.

Der Klimaschutz ist eine soziale Frage. Wohlhabendere können sich Leistungen einkaufen, damit ihr Leben nicht unter dem Klimawandel leidet. Die meisten Menschen haben diese Möglichkeit nicht, nirgendwo. Mehr zur Energiewende habe ich hier aufgeschrieben.

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Jan Welsch

Jurist, Sanitäter und Stadtrat in Konstanz. Seit 2017 stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion.

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